Direkt zum Inhalt
THERALANDOTHERALANDO
0
Wirkmechanismus der Radiofrequenztherapie in der Physiotherapie

Wirkmechanismus der Radiofrequenztherapie in der Physiotherapie

Biophysikalische Therapieansätze in der modernen Rehabilitation

Muskuloskelettale Beschwerden entstehen häufig nicht ausschließlich durch mechanische Belastungen oder strukturelle Schäden. Entzündungsprozesse, gestörte Mikrozirkulation sowie Veränderungen im Zellmetabolismus können Heilungsprozesse erheblich verlangsamen und chronische Schmerzmechanismen begünstigen.

Neben klassischen physiotherapeutischen Verfahren wie Trainingstherapie, manueller Therapie oder neuromuskulärer Aktivierung gewinnen daher zunehmend biophysikalische Therapieformen an Bedeutung. Diese Technologien zielen darauf ab, biologische Prozesse im Gewebe direkt zu beeinflussen.

Eine dieser Technologien ist die kapazitiv‑resistive Radiofrequenztherapie (CRET), bei der elektromagnetische Energie kontrolliert in biologisches Gewebe übertragen wird. Eine der bekanntesten medizinischen Anwendungen dieser Technologie ist die INDIBA‑Therapie, die mit einer festen Frequenz von 448 kHz arbeitet.

Aktuelle systematische Reviews zur CRET‑Therapie bei muskuloskelettalen Erkrankungen (CRET Systematic Review) zeigen, dass diese Technologie insbesondere in Kombination mit aktiver Rehabilitation signifikante Schmerzreduktionen und funktionelle Verbesserungen unterstützen kann [1].

 

Physikalisches Prinzip der 448‑kHz‑Radiofrequenz

Die Grundlage der Radiofrequenztherapie ist die Übertragung elektromagnetischer Energie im hochfrequenten Bereich des elektromagnetischen Spektrums.

Bei der INDIBA‑Technologie wird eine feste Frequenz von 448 Kilohertz (kHz) verwendet. Im Gegensatz zu klassischer Elektrotherapie wirkt diese Technologie nicht primär über neuromuskuläre Stimulation, sondern über einen hochfrequenten elektrischen Strom mit niedriger Intensität.

Dieser Strom kann sowohl thermische als auch nicht‑thermische Effekte im Gewebe auslösen. Durch die unterschiedlichen elektrischen Eigenschaften biologischer Gewebe entsteht eine selektive Energieverteilung, wodurch verschiedene Gewebestrukturen unterschiedlich stark beeinflusst werden können.

Dieses physikalische Prinzip bildet die Grundlage der kapazitiv‑resistiven Radiofrequenztherapie, wie sie in der modernen Rehabilitation beschrieben wird (Clinical Commentary zur TECAR‑Therapie) [2]. Eine der klinisch etablierten Anwendungen dieser Technologie ist die INDIBA-Therapie, die mit einer festen Frequenz von 448 kHz arbeitet. Thermophysiologische Untersuchungen zeigen, dass diese Form der Radiofrequenzenergie messbare Veränderungen der lokalen Gewebetemperatur und Durchblutung hervorrufen kann (Kumaran & Watson Study PMID: 26524223) [7].

 

Kapazitive und resistive Energieübertragung

Ein zentrales Merkmal der CRET‑Technologie ist die Differenzierung zwischen zwei Energieübertragungsmodi: kapazitive (CET) und resistive (RET) Anwendung.

Kapazitive Anwendung (CET)

Bei der kapazitiven Anwendung befindet sich zwischen Elektrode und Haut eine isolierende Schicht. Dadurch konzentriert sich die Energieübertragung vor allem auf wasserreiches Gewebe wie:

  • Muskulatur
  • vaskularisierte Weichteile
  • subkutanes Gewebe

Diese Anwendung kann insbesondere den zellulären Stoffwechsel und die lokale Durchblutung beeinflussen.

Resistive Anwendung (RET)

Bei der resistiven Anwendung erfolgt die Energieübertragung über eine leitfähige Elektrode ohne isolierende Schicht. Die Energie konzentriert sich stärker auf Gewebe mit höherem elektrischem Widerstand, darunter:

  • Sehnen
  • Bänder
  • Faszien
  • knochennahe Strukturen

Dadurch können auch tiefer liegende oder strukturell festere Gewebe gezielt erreicht werden.

Hintergrund ist die unterschiedliche elektrische Impedanz biologischer Gewebe: Wasserreiches Gewebe leitet elektrische Energie leichter, während strukturell dichteres Gewebe einen höheren elektrischen Widerstand aufweist.

Die Differenzierung zwischen CET und RET gilt als eines der zentralen therapeutischen Prinzipien moderner TECAR‑ bzw. CRET‑Therapien in der Rehabilitation [2].

 

Zellbiologische Effekte: Regenerative Prozesse auf zellulärer Ebene

Neben thermischen Effekten werden in der Forschung zunehmend zellbiologische Mechanismen als mögliche Wirkfaktoren diskutiert.

Aktivierung des Zellmetabolismus

Radiofrequenz kann zelluläre Stoffwechselprozesse stimulieren. Untersuchungen zeigen Hinweise darauf, dass elektromagnetische Energieübertragung die Aktivität der Mitochondrien und die Produktion von Adenosintriphosphat (ATP), der zentralen Energiequelle der Zelle, beeinflussen kann.

Einfluss auf Stammzellen

Laborstudien zur Wirkung der 448‑kHz‑Energieübertragung auf mesenchymale Stammzellen (448 kHz & mesenchymale Stammzellen) deuten darauf hin, dass regenerative Prozesse in Muskel‑ und Bindegewebe stimuliert werden können [6].

Modulation entzündlicher Prozesse

Weitere experimentelle Untersuchungen zeigen Hinweise darauf, dass elektromagnetische Felder auch entzündungsbezogene Signalwege modulieren können, die bei vielen muskuloskelettalen Erkrankungen eine wichtige Rolle spielen [6].

 

Gewebephysiologische Effekte

Die beschriebenen zellulären Prozesse können verschiedene physiologische Eigenschaften des Gewebes beeinflussen. Thermophysiologische Studien zur 448-kHz-kapazitiv-resistiven Radiofrequenztherapie zeigen, dass die Energieübertragung eine kontrollierte Erwärmung des Gewebes sowie Veränderungen der lokalen Durchblutung auslösen kann (Thermal Build-Up Study PMID: 29308927) [8].

Klinisch wird diese Form der kapazitiv-resistiven Radiofrequenztherapie in verschiedenen medizinischen Systemen eingesetzt, darunter auch die INDIBA-Technologie, mit einer konstanten Frequenz von 448 kHz.

Eine detaillierte Übersicht zur klinischen Anwendung der INDIBA-Radiofrequenztherapie sowie zu Einsatzmöglichkeiten in Physiotherapie und Sportmedizin finden Sie auf unserer Übersichtsseite zur
INDIBA-Radiofrequenz mit 448 kHz – evidenzbasierte Regeneration in Physiotherapie und Sportmedizin.

Verbesserung der Mikrozirkulation

Radiofrequenztherapie kann zu einer lokalen Steigerung der Durchblutung führen. Eine verbesserte Mikrozirkulation unterstützt die Versorgung des Gewebes mit Sauerstoff und Nährstoffen.

Veränderung der Gewebeviskoelastizität

Eine Studie zur Radiofrequenztherapie der Plantarfaszie (Plantarfaszie‑Studie) zeigte mithilfe von Ultraschall‑Elastographie, dass eine 448‑kHz‑Stimulation messbare Veränderungen der Gewebeviskoelastizität hervorrufen kann [3].

Solche Veränderungen können besonders bei überlastetem oder degenerativ verändertem Gewebe klinisch relevant sein.

 

Funktionelle Effekte und klinische Anwendung

In der Rehabilitation zeigt sich besonders die Kombination aus Technologie und aktiver Therapie als wirksam.

Eine randomisierte kontrollierte Studie zum subakromialen Schulterschmerz (RCT: 448 kHz + Training) zeigte beispielsweise, dass eine Behandlung mit 448‑kHz‑Radiofrequenz in Kombination mit therapeutischem Training bessere funktionelle Ergebnisse erzielen kann als Training allein [4].

Typische Einsatzgebiete in der physiotherapeutischen Praxis sind unter anderem:

  • Sportmedizinische Überlastungssyndrome
  • Muskelverletzungen
  • Tendinopathien (z. B. Achillessehne)
  • postoperative Rehabilitation
  • chronische Rückenschmerzen

Auch im Bereich der Beckenbodenrehabilitation wird Radiofrequenztherapie untersucht. Eine aktuelle klinische Untersuchung zur Behandlung postpartaler Schmerzen (RASDOP‑Studie) zeigt Hinweise darauf, dass diese Technologie funktionelle Verbesserungen im Rahmen eines multimodalen physiotherapeutischen Programms unterstützen kann [5].

Wie sich Radiofrequenztherapie speziell bei Muskel- und Sehnenverletzungen auswirken kann, erläutern wir ausführlich in unserem Fachartikel zur Radiofrequenztherapie bei Muskel- und Sehnenverletzungen in der Physiotherapie.

 

Einordnung in moderne physiotherapeutische Behandlungskonzepte

In der modernen Radiofrequenztherapie in der Physiotherapie wird diese Technologie nicht als Ersatz für Bewegung verstanden. Vielmehr dient sie als ergänzendes Werkzeug innerhalb multimodaler Therapiekonzepte.

Die Kombination mit Maßnahmen wie

  • therapeutischem Training
  • manueller Therapie
  • neuromuskulärer Rehabilitation

scheint nach aktueller Studienlage besonders relevant zu sein [1].

 

Fazit

Die 448‑kHz‑Radiofrequenztherapie stellt ein biophysikalisches Verfahren dar, das physiologische Prozesse wie Mikrozirkulation, Zellmetabolismus und Gewebeelastizität beeinflussen kann.

Die aktuelle Evidenz deutet darauf hin, dass diese Technologie insbesondere in Kombination mit aktiver Rehabilitation funktionelle Ergebnisse unterstützt. Damit stellt sie ein ergänzendes Werkzeug innerhalb moderner physiotherapeutischer Behandlungskonzepte dar.

 

Quellen & Evidenz

[1] Capacitive‑Resistive Energy Transfer (CRET) for Musculoskeletal Disorders – Systematic Review (2025)

[2] TECAR Therapy: A Clinical Commentary on Its Evolution, Application and Future in Rehabilitation (2025)

[3] Short‑ and Mid‑Term Results Using a 448 kHz Radiofrequency Stimulation on the Elasticity of the Plantar Fascia (2024) (PMID: 39685932)

[4] Capacitive Resistive Monopolar Radiofrequency at 448 kHz plus Exercising versus Exercising Alone for Subacromial Pain – Randomized Clinical Trial

[5] Evaluating the Effectiveness of Radiofrequency in Multimodal Physiotherapy for Postpartum Pelvic Pain – RASDOP Study (2025)

[6] The Use of Electric Transfer 448 kHz Therapy in Sport and Impact on Human Mesenchymal Stem Cells (2024)

[7] Kumaran B., Watson T.
Thermal build-up, decay and retention responses to local therapeutic application of 448 kHz capacitive resistive monopolar radiofrequency. (PMID: 26524223)

[8] Kumaran B., Watson T.
Skin thermophysiological effects of 448 kHz capacitive resistive monopolar radiofrequency. (PMID: 29308927)

Das könnte dich auch interessieren

Warenkorb 0

Dein Warenkorb ist leer

Beginn mit dem Einkauf