Warum Sehnen anders heilen als Muskeln
In der Sportphysiotherapie werden häufig zwei Gewebetypen behandelt, die sich biologisch grundlegend unterscheiden: Muskelgewebe und Sehnengewebe. Obwohl beide Teil des muskuloskelettalen Systems sind, unterscheiden sich ihre Regenerationsprozesse erheblich.
Muskelgewebe: hohe Stoffwechselaktivität
Muskelgewebe ist stark vaskularisiert. Verletzungen führen schnell zu einer lokalen Entzündungsreaktion, bei der Reparaturzellen, Wachstumsfaktoren und Nährstoffe über das Blut an den Ort der Verletzung transportiert werden. Diese hohe Stoffwechselaktivität ermöglicht meist eine vergleichsweise schnelle Regeneration.
Sehnengewebe: bradytroph und strukturell spezialisiert
Sehnen bestehen überwiegend aus kollagenen Fasern mit geringer Gefäßdichte. Dieses Gewebe wird häufig als bradytroph bezeichnet, da der Stoffwechsel deutlich langsamer ist. Der Nährstoffaustausch erfolgt primär über Diffusion aus umliegenden Geweben.
Bei chronischer Überlastung kann es zu strukturellen Veränderungen kommen, darunter:
- Desorganisation der Kollagenfasern
- verringerte elastische Speicherfähigkeit
- erhöhte Gewebesteifigkeit
Diese Faktoren erklären, warum Tendinopathien häufig einen deutlich längeren Heilungsverlauf haben als Muskelverletzungen.
Biophysikalische Therapieansätze bei Sehnen- und Muskelverletzungen
Neben klassischen physiotherapeutischen Maßnahmen wie Trainingstherapie, manueller Therapie oder neuromuskulärer Rehabilitation werden zunehmend biophysikalische Therapieformen eingesetzt.
Eine dieser Technologien ist die kapazitiv‑resistive Radiofrequenztherapie (CRET) mit einer Frequenz von 448 kHz, wie sie unter anderem in der INDIBA‑Technologie verwendet wird. Dabei wird elektromagnetische Energie kontrolliert in biologisches Gewebe übertragen.
Die physiologischen Effekte dieser Therapie hängen jedoch nicht allein von der verwendeten Frequenz ab. In der klinischen Anwendung spielen auch Behandlungsparameter wie Leistungsstufe, Behandlungsdauer und die insgesamt übertragene Energie eine wichtige Rolle. Diese Dosimetrie wird in der Praxis individuell an Gewebeart, Behandlungsziel und Therapiephase angepasst.
Aktuelle systematische Reviews zur CRET‑Therapie bei muskuloskelettalen Erkrankungen zeigen, dass diese Technologie insbesondere in Kombination mit aktiver Rehabilitation Schmerzreduktion und funktionelle Verbesserungen unterstützen kann [1].
Ein zentraler Aspekt dieser Technologie ist die kapazitiv-resistive Energieübertragung (CET/RET). Dabei wird elektromagnetische Energie je nach elektrischem Widerstand und Wassergehalt unterschiedlich im Gewebe verteilt: Während der kapazitive Modus eher wasserreiches Gewebe wie Muskulatur anspricht, konzentriert sich der resistive Modus stärker auf strukturell dichteres Gewebe wie Sehnen oder Faszien.
Die biophysikalischen Wirkmechanismen der Radiofrequenztherapie, insbesondere ihre Effekte auf Zellstoffwechsel, Mikrozirkulation und Gewebeviskoelastizität, werden in der Forschung intensiv untersucht. Eine ausführliche Einordnung dieser Mechanismen findest du in unserem Beitrag zur Wirkweise der Radiofrequenztherapie in der Physiotherapie.
Zellbiologische Effekte: Regenerative Prozesse auf zellulärer Ebene
Neben thermischen Effekten wird zunehmend untersucht, wie Radiofrequenztherapie zellbiologische Prozesse beeinflussen kann.
Einfluss auf mesenchymale Stammzellen
Experimentelle Studien zeigen Hinweise darauf, dass elektromagnetische Stimulation im Bereich von 448 kHz Differenzierungsprozesse mesenchymaler Stammzellen beeinflussen kann.
Eine Untersuchung von Hernández‑Bule et al. zur Wirkung der 448‑kHz‑Radiofrequenz auf mesenchymale Stammzellen konnte zeigen, dass diese Frequenz zelluläre Differenzierungsprozesse um bis zu 38% steigern kann [2]. Mesenchymale Stammzellen spielen eine wichtige Rolle bei der Reparatur von:
- Muskelgewebe
- Sehnengewebe
- Bindegewebe
Diese Ergebnisse liefern Hinweise darauf, dass Radiofrequenztherapie möglicherweise regenerative Prozesse im Gewebe unterstützen kann.
Radiofrequenztherapie bei Sehnenverletzungen in der Physiotherapie
Sehnen reagieren besonders sensibel auf Veränderungen der Gewebeviskoelastizität.
Veränderung der Sehnensteifigkeit
Eine aktuelle Studie zur Radiofrequenztherapie der Patellarsehne mittels Ultraschall‑Elastographie untersuchte die Effekte einer 448‑kHz‑Radiofrequenzintervention.
Die Ergebnisse zeigten:
- erhöhte Gewebetemperatur in der Sehne
- Reduktion der Sehnensteifigkeit
- Veränderungen der elastischen Eigenschaften des Gewebes
Diese Veränderungen können dazu beitragen, die mechanische Belastbarkeit der Sehne zu verbessern [3] und die Voraussetzungen für eine funktionelle Rehabilitation zu optimieren.
Die langfristige Belastbarkeit der Sehne wird jedoch primär durch progressives Belastungsmanagement und spezifische Trainingsformen wie exzentrisches Training oder Heavy-Slow-Resistance-Programme aufgebaut.
Langzeiteffekte bei Schultersehnen
Eine weitere Untersuchung analysierte die Elastizität der Supraspinatussehne bei professionellen Badmintonspielern nach einer 3‑wöchigen Intervention mit 448‑kHz‑Stimulation.
Die Studie zu Langzeiteffekten der 448‑kHz‑Radiofrequenz auf die Supraspinatussehne zeigte signifikante Veränderungen der Sehnenelastizität, die bis zu drei Monate nach der Behandlung nachweisbar waren [4].
Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Radiofrequenztherapie nicht nur kurzfristige Effekte erzeugen kann, sondern möglicherweise strukturelle Anpassungen im Gewebe unterstützt.
Radiofrequenztherapie bei Muskelverletzungen
Während bei Sehnen strukturelle Veränderungen im Vordergrund stehen, konzentriert sich die Forschung bei Muskelverletzungen stärker auf Regenerationsprozesse und neuromuskuläre Funktion.
Muskelregeneration nach exzentrischer Belastung
Studien zur 448‑kHz‑Radiofrequenztherapie nach exzentrisch induziertem Muskelschaden zeigen, dass kapazitiv‑resistive Radiofrequenztherapie die Wiederherstellung der Muskelkraft unterstützen kann.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass CRET‑Therapie:
- die Normalisierung der Muskelrekrutierung unterstützen kann
- die Wiederherstellung mechanischer Muskeleigenschaften beschleunigt [5]
Diese Effekte sind insbesondere im Bereich der Sportphysiotherapie und Rehabilitation nach intensiver Belastung relevant.
Tendinopathien und chronische Überlastungssyndrome
Chronische Tendinopathien gehören zu den häufigsten Problemen im sportmedizinischen Kontext.
Eine aktuelle klinische Untersuchung zur CRET‑Therapie bei chronischer Achillessehnentendinopathie untersucht den Einfluss kapazitiv‑resistiver Energieübertragung auf die Gewebeversorgung.
Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese Therapieform Vaskularisierung und metabolischen Austausch im Sehnengewebe verbessern kann [6].
Diese Mechanismen könnten insbesondere für bradytrophes Gewebe wie Sehnen therapeutisch relevant sein.
Einordnung in moderne physiotherapeutische Behandlungskonzepte
In der modernen Physiotherapie wird Radiofrequenztherapie nicht als Ersatz für Bewegung, sondern als ergänzende Maßnahme innerhalb multimodaler Therapiekonzepte eingesetzt.
In der klinischen Praxis wird Radiofrequenztherapie häufig mit manuellen Techniken und aktiver Therapie kombiniert. Dazu zählen beispielsweise myofasziale Techniken, instrumentengestützte Weichteilbehandlung (IASTM) oder aktive Übungsprogramme. Die durch Radiofrequenz erzeugten Veränderungen der Gewebeviskoelastizität und Durchblutung können dabei die nachfolgende manuelle Behandlung oder funktionelle Belastung erleichtern.
Typische Kombinationen sind:
- therapeutisches Training
- manuelle Therapie
- neuromuskuläre Rehabilitation
- sportmedizinische Return‑to‑Play‑Programme
Die Integration biophysikalischer Therapieformen kann dabei helfen, physiologische Regenerationsprozesse zu unterstützen und funktionelle Therapieansätze zu ergänzen.
Eine der klinisch etablierten Anwendungen der kapazitiv-resistiven Radiofrequenztechnologie ist die INDIBA-Radiofrequenztherapie mit 448 kHz, die in Physiotherapie, Rehabilitation und Sportmedizin eingesetzt wird.
Fazit
Muskel‑ und Sehnengewebe unterscheiden sich erheblich in ihrer biologischen Struktur und ihrem Regenerationsverhalten. Während Muskelverletzungen häufig relativ schnell heilen, stellen Tendinopathien aufgrund der geringen Stoffwechselaktivität des Gewebes eine therapeutische Herausforderung dar.
Aktuelle Studien zur 448‑kHz‑Radiofrequenztherapie zeigen Hinweise darauf, dass diese Technologie verschiedene physiologische Prozesse beeinflussen kann, darunter:
- Zellstoffwechsel
- Mikrozirkulation
- Gewebeviskoelastizität
Die aktuelle Evidenz deutet darauf hin, dass Radiofrequenztherapie insbesondere in Kombination mit aktiver physiotherapeutischer Behandlung eine ergänzende Rolle in der Rehabilitation von Muskel‑ und Sehnenverletzungen spielen kann.
Quellen & Evidenz
[1] Capacitive‑Resistive Energy Transfer (CRET) for Musculoskeletal Disorders – Systematic Review (2025)
[5] Effectiveness of 448‑kHz CRMRF Therapy After Eccentric Exercise‑Induced Muscle Damage
[6] Effectiveness of Tecar Therapy in Patients With Chronic Achilles Tendinopathy (ClinicalTrials.gov)

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